Im Fokus

Die Schweizer Stiftung: Ein Erfolgsmodell

Die Stiftungen in der Schweiz wachsen und sind sehr aktiv. Viele tun dies diskret. Aber auch das Verständnis von Philanthropie wandelt sich. Wo wird es hingehen?
von Peter Buss

Die Schweizer Stiftungslandschaft ist im internationalen Vergleich gross und vielfältig. Und sehr dynamisch: So hat sich die Zahl der Stiftungen in den letzten 20 Jahren praktisch verdoppelt. Und alle 13‘000 Stiftungen sind im Schnitt gerade mal 23 Jahre jung. Auch ihre Aktivitäten wachsen kontinuierlich: Man schätzt, dass sie inzwischen im Jahr rekordverdächtige 2 Mia. CHF au schütten. Und während früher noch jede zweite Stiftung sozial orientiert war, haben heute die Bildung und kulturelle Zwecke gleichgezogen, und je jünger eine Stiftung ist, desto häufiger ist sie in Umweltfragen, in wirtschaftspolitischen Anliegen oder der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Auch breitere Stiftungszwecke legen kräftig zu.

Stiftungen sind heute ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Das hat Folgen. Über 400‘000 Gesuche werden jährlich an sie verschickt. Das Problem dabei: Die meisten passen nicht zur Fördertätigkeit der angefragten Stiftung und werden abgelehnt – ein riesiger Leerlauf für alle. Der primäre Grund: Viele Förderer informieren gar nicht oder nur sehr zurückhaltend über ihre Unterstützungstätigkeit, aus Diskretions- und Kosten- gründen oder aus Angst, dann noch mehr Gesuche zu erhalten, die sie bearbeiten müssen. Das ist verständlich. Aber ohne Gegensteuer wird dieses System kollabieren – und die Stiftungen werden Opfer ihres eigenen Erfolgs.

Der Ruf nach mehr Effizienz im Gesuchswesen wird deshalb immer lauter. Voraussetzung dafür ist allerdings eine offenere Information, zum Beispiel darüber, was man fördert und was nicht. Das führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Gesuchen – und auch zu passenderen. Transparenz stärkt das beiderseitige Vertrauen. Und dieses ermöglicht einen fair geführten Dialog zwischen Partnern und auf Augenhöhe.