Im Gespräch

«Ein fruchtbares Umfeld»

Herr von Schnurbein, weshalb ist die Schweiz so attraktiv für Stiftungen?

Die Attraktivität der Schweiz ergibt sich aus mehreren Gründen: Erstens zeichnet die Schweiz eine lange politische und rechtliche Stabilität aus. Im gerade erschienenen Global Philanthropy Environment Index liegt die Schweiz weltweit auf Platz vier! Zweitens sind sich Schweizer Bürgerinnen und Bürger bewusst, dass sie einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten müssen, der über Wahlen und Steuern hinausgeht. Drittens kann man in der Schweiz sehr einfach und zu fast jedem Thema eine Stiftung gründen.

 

Was können wir tun, damit das so bleibt?

Wichtig ist, dass dieses fruchtbare Umfeld bestehen bleibt. Je mehr Regulierung und Begrenzung kommt, desto eher werden Philanthropen andere Wege nutzen, um sich zu engagieren. Gleichzeitig kann der Stiftungssektor selbst etwas dazu beitragen, indem Stiftungen von sich aus transparenter werden, aktiv über ihre Aktivitäten berichten und Ziele gemeinsam mit ihren Destinatären realisieren. Das gilt für operative und fördernde Stiftungen gleichermassen.

 

Sind kleine Stiftungen ein Auslaufmodell?

Überhaupt nicht. Natürlich werden derzeit viele kleine Stiftungen liquidiert, weil sie bei der aktuellen Zinslage mit einer risikoaversen Strategie kaum Erträge erwirtschaften können. Dennoch wäre es eine übermässige Begrenzung der Stifterautonomie, wenn man ein Mindestvermögen festlegen würde. Auch eine kleine Stiftung kann Wirkung erzielen und in einem beschränkten Umfeld viel erreichen, wenn andere Ressourcen wie Zeit, Netzwerk oder Kommunikation für die Zweckerfüllung eingesetzt werden. Gerade die Ressourcenknappheit führt oftmals zu Innovation und Ideenreichtum.

Prof. Dr. Georg von Schnurbein
Direktor des Center for Philanthropy Studies (CEPS),
Universität Basel