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Finanzen besser einsetzen – wirkungsvolle Anlagepolitik für Stiftungen

Die Möglichkeiten für eine wirkungsorientierte Anlagepolitik reichen von der widerspruchsfreien Anlagestrategie über die Kosteneffizienz bis zum Mission-Investing. Die Grösse der Stiftung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

von Christian Hafner, Partner Philanthropy Services AG

Eine Wirkung mittels Anlagepolitik erzielen alle Massnahmen, die entweder zusätzliche Mittel für den Stiftungszweck generieren oder Stiftungskapital dort hinlenken, wo es zweckkonform eingesetzt wird. Diese Lenkung des Stiftungskapitals wird anhand selektiver Anlageverfahren erreicht: Zuerst schliesst man mit negativer Selektion Anlagen aus, die gegen die Mission der Stiftung wirken, so als Beispiel Staatsobligationen von Ländern mit Todesstrafe. Die dann positiv selektionierten Anlagen sollen die Mission der Stiftung unterstützen und eine zusätzliche Wirkung erreichen. Als Beispiel das Social-Business von Essilor, das bezahlbare Lesebrillen für arme Rentner ermöglicht. Damit verleiht die Stiftung im Grunde genommen das Kapital zweckfördernd, was schliesslich eine zusätzliche Fördertätigkeit darstellt.

Stiftungszweckförderndes Investieren gelingt auf Dauer aber nur, wenn Anlegen die Bedeutung eines zusätzlichen Kerngeschäfts der Stiftung erhält. Das bedeutet auch mehr Selbstverantwortung des Stiftungsrats und eine Befreiung von Interessenkonflikten.

Vor allem bei der Ausführung der Vermögensverwaltung können Interessenkonflikte hinderlich sein. Die beste Massnahme dagegen ist die Bildung oder Anreicherung dieser Kompetenz im Stiftungsrat. Denn dann ist eine Delegation der Vermögensverwaltung nicht (mehr) notwendig. Im Übrigen kann ohnehin niemand dem Stiftungsrat einen Strategieentscheid abnehmen, von dem 90 Prozent des Anlageerfolgs abhängen. Dazu kommt noch, dass die heutige Dynamik der Kapitalmärkte viel kürzere Reaktionszeiten für die Anpassung strategischer Entscheide verlangt.

Die selbständige Durchführung der Vermögensverwaltung führt auch zu tieferen Kosten. Und eine Reduktion der Vermögensverwaltungskosten kann massgeblich zur verbesserten Wirkung beitragen, weil mehr Geld zur Verfügung steht. Zur Veranschaulichung eine kurze Rechnung: 100 CHF Kapital bei einer Jahresrendite von 3 % ergibt bei 1,5 %, respektive 0,5 % Kosten am Jahresende ein neues Kapital von 101.50 respektive 102.50 CHF. Nach 20 Jahren ergeben sich mit dem Zinseszinseffekt 134.70 respektive 163.90 Franken (siehe Grafik). Ein Prozentpunkt weniger Kosten ergibt über 20 Jahre also fast 30 Prozent Zusatzertrag.

Anlagekompetenz im Stiftungsrat und die Vermeidung von Interessenkonflikten sind der beste Garant, dass eine wirkungsorientierte Anlagepolitik effektiv im Sinne der Stiftungsziele umgesetzt wird.

Als Mission Investing werden zum Beispiel Geldanlagen bezeichnet, bei denen neben der Renditeerzielung den Stiftungszweck fördernde Organisationen unterstützt werden. Als erster Schritt in der Strategie sollten Anlagen und Aktien von Unternehmen ausgeschlossen werden, die dem Stiftungszweck zuwider handeln. Wichtig ist hier, dass Rendite und Wirkung evaluiert und gemeinsam betrachtet werden.

Nachhaltige Anlagen sind für die meisten Stiftungen gute Optionen. In Diskussion ist der Best in Class-Ansatz, bei dem man in das nachhaltigste Unternehmen einer Branche investiert. So können auch in nicht-nachhaltigen Bereichen ökologische und soziale Anreize geschaffen werden.

Impact Investing sind wirkungsorientierte Anlagen, bei denen Stiftungen zum Beispiel Investitionen in Entwicklungszusammenarbeit oder Umweltschutz direkt unterstützen. Schwierig kann hier die Diversifikation der Anlagen sein, einerseits durch die Anzahl der vertrauenswürdigen Möglichkeiten, andrerseits durch das ungewisse Risiko und die Sicherung des Bestandes und der Liquidität der Organisationen.

Venture Philanthropy nennt sich der Prozess, wenn eine Stiftung ihre Anlagen in eine gemeinnützige Einrichtung investiert. Dabei wird aber ins Auge gefasst, dass die finanzierte Institution mangels weiterer Investoren oder anderen Umständen eingehen kann. In diesem Fall gibt es keine Rückzahlung des Kapitals, es muss als Spende betrachtet werden.