Im Gespräch

Keine Notwendigkeit für ein „Wirken im Stillen“

StiftungSchweiz.ch: Frau Ringier, mehr Transparenz im Stiftungswesen – ist das überhaupt notwendig?

Aus meiner Sicht einer Fundraiserin sind alle Informationen wichtig, die mir den Entscheid, eine Förder-, Vergabe- oder Geberstiftung anzuschreiben oder nicht, erleichtern. Die Zahl der mangels vollständiger Transparenz vergeblichen Unterstützungsgesuche ist immer noch viel zu hoch.

 

Was mindestens sollte eine (auch kleine) Förderstiftung über ihre Arbeit transparent machen – und wie?

Die meisten Förderstiftungen benennen auf ihrer Website das generelle Stiftungsziel, meist zusammen mit einem Katalog der schon geförderten Projekte. Manche setzen jedoch jährlich wechselnde Schwerpunkte, die nach aussen nicht ersichtlich sind. Wünschenswert wäre eine fortlaufende Aktualisierung mit Bezug auf die noch zur Verfügung stehenden Fördermittel, z.B. die Anmerkung, dass im August die Fördermittel bereits erschöpft sind und deshalb keine weiteren Gesuche im betreffenden Kalenderjahr mehr entgegengenommen werden können.

 

In welchen Situationen ist ein absolutes «Wirken im Stillen» sinnvoll und verständlich?

Ich kann grundsätzlich keine Notwendigkeit für ein «Wirken im Stillen» erkennen. Wer eine Stiftung gründet, nimmt so etwas wie eine öffentliche «Auslobung» vor. Dieser Vorgang muss für Gesuchsteller nachvollziehbar sein. Denkbar wäre daher, dass eine Stiftung öffentlich macht, dass sie sich ausschliesslich für ein Hilfswerk xy einsetzt, weshalb weitere Gesuche nicht berücksichtigt werden können.

Dr. Ellen Ringier, Präsidentin der Stiftung Elternsein und Herausgeberin von «Das Schweizer Eltern Magazin Fritz+Fränzi»